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Ärzte spezialisieren sich

In der Europäischen Union sind rund 50 Millionen Menschen mehrfach chronisch krank, leiden etwa an Diabetes oder chronischen Schmerzen. Ähnliches trifft inzwischen auch auf Haustiere zu - sowohl bei Mensch als auch bei Tier ist einer der Hauptgründe dafür das Erreichen eines höheren Alters.

Die Lebenserwartung des Menschen ist kontinuierlich angestiegen - im Jahr 2000 geborene Menschen werden im Durchschnitt ein Alter von mehr als 75 Jahren erreichen, so das Fachblatt „Nature“. Das ist ein Anstieg der Lebenserwartung um 30 Jahre innerhalb eines Jahrhunderts.

Auch Hund und Katz leben immer länger. Beim Hund sei das Durchschnittsalter stark rasseabhängig, sagt die niederösterreichische Tierärztin Beate Katharina Schuller zu ORF.at. Bei Katzen sei der Anstieg der Lebenserwartung stärker zu beobachten. „Da ist es heute nicht mehr selten, dass 18- oder 20-jährige Katzen in die Praxis kommen, auch bei Freigängern am Land. Früher war schon eine 15-jährige Katze ein Sensation“, so Schuller.

Ähnlichkeit zum Menschen auch im Kranksein

Die Tiere würden immer älter, weil der Stellenwert für den Menschen ein anderer sei als früher. Tierhalter würden früher und öfter mit ihren Vierbeinern zum Arzt gehen und seien eher bereit, Geld für Behandlungen auszugeben. Zudem sei in der Medizin - auch für Tiere - der Fortschritt deutlich.

Dass durch höheres Alter auch chronische Leiden verstärkt auftreten, ist laut Schuller „ein Gesetz der Logik“. Dazu zählen bei Hunden etwa orthopädische Krankheiten, Stoffwechselerkrankungen und Tumore - je älter, desto häufiger. Auch Katzen leiden im Alter unter spezifischen Krankheiten wie Nierenproblemen sowie oft auch unter orthopädischen Leiden, die selten erkannt werden.

Mehr Bedarf, mehr Ärzte

Sowohl Katzen als auch Hunde können genauso an Demenz erkranken. Dabei gibt es viele Ähnlichkeiten zur Krankheit beim Menschen: Auch bei Tieren spielen Ablagerungen im Gehirn eine Rolle. Charakterliche Änderungen können ebenso beobachtet werden, die Tiere können sich desorientiert verhalten. In solchen Fällen würden sie in freier Wildbahn nicht lange überleben, in einem Haushalt - ob die Krankheit entdeckt wird oder nicht - hingegen schon.

Mit der steigenden Aufmerksamkeit für tierische Gesundheitsbedürfnisse geht auch ein Berufswandel bei Tierärzten einher. Einerseits steigt deren Anzahl: Bei einer Zahl von etwa 2.150 Veterinärmedizinern in Österreich ist die Tendenz laut Österreichischer Tierärztekammer steigend.

Viele Spezialgebiete

Andererseits spezialisieren sich die Tierärzte auch vermehrt: Gab es August 2016 in Österreich insgesamt 482 Fachtierärzte, waren es knapp ein Jahr später 522. Darunter fallen Mediziner für Kleintiere, Fisch oder Pferd, aber auch Spezialisten für Physiotherapie, Rehabilitation, Chiropraktik, Ernährung und Diätetik sowie für Dermatologie oder Homöopathie und Akupunktur. Eine Vertiefung in ein Spezialgebiet sei nicht nur ein Trend, sondern auch eine Möglichkeit, sich von anderen Tierärzten abzuheben, hieß es dazu aus der Kammer.

Offenbar ist die Überlegung zukunftsträchtig, denn die Kundschaft wächst. Je älter das Tier wird, desto länger wird es gehegt, gepflegt und versorgt. Laut Statistik Austria hatten 2016 rund 637.000 österreichische Haushalte zumindest eine Katze und 253.000 zumindest einen Hund. Für die Katze geben die Österreicher knapp 41 Euro im Monat aus, für den Hund 78 Euro.

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